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4:1-Erfolg gegen FSV Jägersburg

Gut 80 Minuten lang dauerte es, bis es gegen den FSV Jägerburg fruchtete, und die TSG Pfeddersheim so richtig drin war in dieser Saison. Zum ersten Mal zahlte sich für den Fußball-Oberligisten das aus, was Neu-Trainer Marc Heidenmann mit diesem vorhat: dominant auftreten, den Ball haben wollen, spielerisch Lösungen finden. Langen Atem und Geduld brauchte es dafür gegen die Saarländer. Hinten raus wurde es dann deutlich, Pfeddersheim siegte 4:1. Der erste Saisondreier. Und der erste Beweis nach der bitteren 1:3-Niederlage zum Auftakt in Bingen: Dafür, dass sich der spielerische Ansatz lohnt. „Wir wollten es uns selbst zeigen“, sagt Sechser Marcell Öhler, „das ist uns gelungen.“

Schlüsselmoment: Kikutanis Doppelpass mit Buch

Der Schlüsselmoment in der 78. Minute: Andreas Buch und der eingewechselte Atsushi Kikutani hoben per Doppelpass die Jägerburger Defensive aus den Angeln, Buch steckte in den Rückraum, in den Neuzugang Öhler vorgestoßen war, einen Haken schlug, und zum 2:1 einnetzte. Fast eine halbe Stunde lang hatte die TSG zuvor intensiv und vergeblich versucht, irgendwo diese Lücke aufzutun. Immerhin: Dass die Pfeddersheimer sie bespielten, ging den Jägerburgern an die Substanz. Gegensätzlich hatte Coach Heidenmann den Eindruck, „dass wir 90 Minuten lang Tempo machen können.“ Soweit dies bei 37 Grad im Schatten eben ging.

Denn die erste Hälfte verlief schleppend. Beide Mannschaften zogen sich weit in die eigene Hälfte zurück, sobald der Gegner am Ball war. Anders, als sich das Heidenmann vorgestellt hatte. „Wir haben nicht gut begonnen, das war zerfahren.“ Den gepflegteren Spielaufbau betrieben zwar die Hausherren, bissen aber im vorderen Spielfelddrittel auf Granit: Jägersburgs Verteidiger standen der einsamen TSG-Spitze Andreas Buch kontinuierlich auf den Füßen. Hinten hingegen agierten die Pfedersheiner mit einer flexiblen Dreier- bzw. Fünferkette weitestgehend souverän. Einzig der schnelle Stürmer Luis Kiefer bereitete Florian Lutz in der Abwehrkette Probleme. Fabio Schmidt links und Akira Udagawa rechts fügten sich im Rückwärtsgang jeweils in die Kette ein. „Ein System, das uns Sicherheit geben sollte“, erklärt Heidenmann.

 

Tillschneider in Lúcio-Marnier

Wenn nach vorne was ging, dann, wenn sich einer der Verteidiger, meist Schmidt über Links einschaltete. Symptomatisch: So richtig brannte es nur, als Innenverteidiger Matthias Tillschneider in Lúcio-Manier für Konfusion sorgte. Nach seinem ersten Dribbling über das halbe Feld bediente Tillschneider den glockenfreien Buch, dessen Abschluss aber noch abgefälscht wurde (38.). Die ersten beiden Tore fielen folgerichtig nach ruhenden Bällen: Öhler versorgte Buch maßgeschneidert per Freistoß, der per Außenriss volley zum 1:0 abschloss (10.). Gleichermaßen der Ausgleich: Kiefer tankte sich an Lutz vorbei, Benjamin Himmel konnte sich nur noch per Foul helfen – Elfmeter. Murat Adiguezel verwandelte sicher (35.). Heidenmann korrigierte, stellte Lutz nach links und den schnelleren Tillschneider gegen Kiefer. Das klappte besser. Nach der Halbzeit drückte ausschließlich Pfeddersheim. „Wir wussten, dass die platt waren“, sagt Buch, „bei denen haben die Impulse gefehlt.“

Zwar schnüffelte Jägersburg noch zwei Male in Person des durchgestarteten Michael Holzweißig (73.) und Arman Ardesestani (74.) per Kopfball, den Keeper Fabian Emig klasse entschärfte, an der Führung. Ansonsten hieß es für die Hausherren: bespielen, bespielen, bespielen. Die Geduld zahlte sich aus, Lücke eins tat sich auf und Öhler stieß hinein. Der Rest war „Harakiri“, wie Gästetrainer Thorsten Lahm seine Elf kritisierte. Auf Lücke eins folgte Lücke zwei: Abwehrmann Marc Bullinger fand sie, schickte Sebastian Kaster auf Reisen – 3:1 (85.). Lücke Nummer drei provozierte wiederum der agile Kikutani: Schuss, Abpraller, Kaster legt quer für Buch – Doppelpack und 4:1 (88.). Das tat dem durch Bingen befleckten Selbstvertrauen gut. Und auch dem von Buch. Erst in der Vorwoche hatte er eine Hundertprozentige liegen lassen. „Jetzt geht die Saison richtig los“ – die Ansage des Angreifers für die TSG.

TSG Pfeddersheim: 4:1-Erfolg gegen FSV Jägersburg (Wormser Zeitung, 06.08.2018)